Schokohasen im Test: Letzter Platz für Milka und Lindt und immer mehr Kinderarbeit bei Schokoladeproduktion

Schokohasen im Test: Letzter Platz für Milka und Lindt

In 22 Schokoladeosterhasen fanden Global 2000 und Südwind Pestizidrückstände. Die hinteren Ränge im Test sind ausschließlich von bekannten Marken besetzt: Milka, Lindt, Merci und Kinder.

Die Umweltorganisation Global 2000 und die Menschenrechtsorganisation Südwind haben die Ergebnisse ihres „Osterhasen-Checks 2017“ vorgelegt. Die Nachfrage nach ökologisch und sozial nachhaltig produzierten Produkten sei in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Vor allem die Eigenmarkenhasen der Supermärkte würden zunehmend Gütesiegel tragen, sagt die Kakaoexpertin Caroline Sommeregger von Südwind.

Südwind: Kinderarbeit nach wie vor ein Problem

Mehr als die Hälfte der weltweit verfügbaren Kakaobohnen werden in der Elfenbeinküste, in Ghana und in Indonesien produziert. In Ghana würden Kakaobauern rund 80 Cent am Tag verdienen, in der Elfenbeinküste seien es rund 50 Cent. Kinderarbeit sei in diesen Regionen weit verbreitet, nach wie vor arbeiten dort über zwei Millionen Kinder im Kakaoanbau, so Südwind. Der Gewinn für die Bauern und Bäuerinnen sei so gering, dass sie keine Landarbeiter bezahlen können, so Sommeregger über die Situation in Ghana und der Elfenbeinküste. Um Kinderarbeit auszuschließen und ein faires Einkommen für die Produzenten sicherzustellen, sollte man beim Kauf von Osterhasen auf das Fairtrade-Siegel achten, rät die Expertin.

Schokoladeosterhasen

Südwind

Bio gegen Marke: Die bunten Schokohasen bekannter Hersteller versagen im Test

Hoher Einsatz von Pestiziden

In 22 der 31 getesteten Schokoladeosterhasen wurden Pestizidrückstände nachgewiesen. Das würde auf einen starken Einsatz von Pestiziden in der Produktion hindeuten und sei wohl auch mit negativen Folgen für die Gesundheit der Arbeiter sowie negativen Folgen für die Umwelt verbunden, erklärt Martin Wildenberg, Nachhaltigkeitsexperte der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. Die festgestellten Pestizidmengen bergen jedoch keine direkten Gesundheitsrisiken für die Konsumenten. Einige der Chemikalien seien allerdings hormonell wirksam und entfalten ihre Wirkung auch in kleinsten Mengen. Wildenberg rät, neben den Fairtrade-Siegel auch auf das Biosiegel zu achten. Bioanbau verbiete die Verwendung von Pestiziden, die Bauern könnten dank wachsender Nachfrage einen höheren Preis für ihre Bioprodukte erzielen, so Wildenberg.

Bekannte Markenprodukte auf den hinteren Rängen

Für den „Ostereier-Check 2017“ wurden die sozialen und ökologischen Aspekte herangezogen. Kriterien wie der Geschmack oder das Preis-Leistungs-Verhältnis haben bei der Bewertung keine Rolle gespielt. Auf den ersten Rängen landeten demzufolge ausschließlich Bioprodukte, die mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet sind. Auf Platz eins schaffte es ein Schokolangohr der Marke EZA, auf Platz zwei landete der Natur-aktiv-Hase von Hofer. Abgeschlagen auf den hintersten Rängen befinden sich in erster Linie bekannte Markenprodukte, wie Merci, Kinder und Lindt, darunter auch der berühmte Lindt-Hase mit der roten Schleife. Der Milka-Hase landete auf dem letzten Platz, ex-aequo mit dem Osterhasen von Merci.

Quelle : http://help.orf.at/stories/2835044/

Immer mehr Kinderarbeit bei Schokoladenproduktion

Was in Europa verboten ist, gehört in Afrika noch immer zum Alltag: In Westafrika beispielsweise, wo 70 Prozent des weltweit gehandelten Kakaos geerntet werden, arbeitet jedes dritte Kind zwischen fünf und 17 Jahren im Kakaoanbau, wie eine aktuelle Studie der US-Universität Tulane zeigt. Die Organisation Südwind ruft deshalb zur Unterzeichnung der Petition „Make Chocolate Fair!“ auf.

Studie

In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl jener Kinder, die vor allem in den Hauptproduktionsländern Elfenbeinküste (Cote d’Ivoire) und Ghana unter missbräuchlichen Bedingungen arbeiten, um 19 Prozent auf 2,2 Millionen gestiegen, so die Studie. 90 Prozent der befragten Kinder gaben an, regelmäßig gesundheitsgefährdende Tätigkeiten zu verrichten. Dazu zählen unter anderem das Schleppen von schweren Kakaosäcken, der Umgang mit landwirtschaftlichen Chemikalien und lange Arbeitszeiten – Tätigkeiten, die laut der Internationalen Labour Organisation (ILO), für unter 17-Jährige strengstens verboten sind.

Weit unter der Armutsgrenze

Kinderarbeit ist ein häufige Methode, um Lohnkosten für Arbeitskräfte bei der Kakaobewirtschaftung niedrig zu halten, erklärte Südwind am Mittwoch in einer Aussendung. Wie das unter anderem von Südwind erstellte „Kakaobarometer“ zeigt, müssen Kakaobauern in der Elfenbeinküste mit einem Tagesverdienst von lediglich 0,50 US-Dollar (0,45 Euro) und in Ghana mit 0,84 US-Dollar (0,76 Euro) auskommen. Beide Werte liegen weit unter der von den Vereinten Nationen (UNO) festgesetzten Armutsgrenze von zwei US-Dollar pro Tag. Armutsgefährdung der in der Kakaoindustrie tätigen Familien ist laut der Organisation der Grund für den weit verbreiteten Einsatz von Kinderarbeit.

Sammeln von Unterschriften

Trotz einer Initiative von Schokoladenkonzernen und einer Resolution des Europäischen Parlaments im Jahr 2012 zur Bekämpfung von Kinderarbeit hat sich die Situation verschlechtert, konstatiert Südwind und ruft deshalb zur Unterzeichnung einer Petition auf. Diese soll am 2. Dezember – anlässlich des Internationalen Tags für die Abschaffung der Sklaverei – an den Dachverband der europäischen Schokoladeproduzenten CAOBISCO in Brüssel übergeben werden.

Mehr zum Thema:

Quelle : http://helpv2.orf.at/stories/1761731/index.html

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