Viele „Beamte“ verlassen außerplanmäßig die Polizei

Die Zahl der Beamten, die den Berliner Polizeidienst verlassen, ist deutlich höher als bisher bekannt. Viel mehr Polizisten quittieren den Dienst, als neue ausgebildet werden. In den wenigsten Fällen ist das Alter der Grund für den Ausstieg.

Beamte verlassen Berliner Polizeidienst

In den kommenden Jahren verlassen mehr Beamte den Berliner Polizeidienst, als neue ausgebildet werden. (Screenshot: YouTube)

Gründe für ein Ausscheiden aus dem Berliner Polizeidienst gibt es viele. Dies zeigte gerade wieder der offene Brief einer Polizisten-Ehefrau an Polizeipräsident Klaus Kandt. Und tatsächlich quittieren deutlich mehr Polizisten den Dienst bei der Polizei Berlin als bisher bekannt.

Im vergangenen Jahr haben laut Innenverwaltung 698 Berliner Polizisten den Dienst quittiert. Davon gingen 278 planmäßig aus Altersgründen. Mit 420 die große Mehrheit der Abgänge war jedoch außerplanmäßig. Dies zeigt die Antwort der Innenverwaltung vom Sonntag auf eine parlamentarische Anfrage des CDU-Abgeordneten Peter Trapp.

Beamte verlassen den Berliner Polizeidienst

Die Gründe der außerplanmäßigen Aussteiger aus dem Berliner Polizeidienst sind vielfältig. So nutzten 233 das vorgezogene Altersruhegeld, weitere 65 wechselten in andere Behörden. Wie es in der Antwort der Innenverwaltung weiter heißt, dürfte die Zahl in den kommenden Jahren noch steigen.

Wegen der schlechten Bezahlung, vieler Überstunden und der steigenden Gefahren beantragen auch viele Beamte eine Versetzung in andere Behörden. Interesse zeigten unter anderem der Bundesverfassungsschutz, das Kanzleramt und die Bundespolizei. Teilweise geschieht die Versetzung gegen den ausdrücklichen Willen Berlins.

Deutlich mehr Abgänger als neue Polizisten

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert die Einstellung von 3.000 neuen Polizisten. Doch Berlin wäre derzeit gar nicht in der Lage, genügend neue Polizisten auszubilden. „Der Personalbedarf lässt sich mit den aktuellen Auszubildenden nicht decken“, zitiert der Tagesspiegel den GdP-Sprecher Benjamin Jendro.

Die Innenverwaltung schätzt, dass in den kommenden drei Jahren insgesamt 2.390 Beamte und Angestellte dem Polizeidienst ausscheiden. Dem gegenüber stehen nach Angaben der GdP derzeit 2.167 Auszubildende für den mittleren und gehobenen Dienst in drei Ausbildungsjahrgängen.

„Mit den neuen Polizisten schaffen wir es nicht einmal, alle Abgänge aufzufangen“, sagte GdP-Chefin Kerstin Philipp. In den vergangenen Jahren seien zwischen 15 und 23 Prozent der Auszubildenden an den Prüfungen gescheitert oder hätten ihre Ausbildung abgebrochen. Aus den 2.167 Auszubildenden werden also nur 1.700 bis 1.900 Polizisten.

Seit 2001 hatte der damalige rot-rote Senat mit Innensenator Ehrhart Körting (SPD) die Zahl der Polizisten von 18.000 auf 16.160 abgebaut. Ab 2011 setzte CDU-Innensenator Frank Henkel dann wieder Neueinstellungen durch. Doch die Zahl der Berliner Polizisten ist seitdem lediglich auf 16.450 gestiegen.

Bis zum Jahr 2019 sollen zwar 500 neue Stellen geschaffen werden. Doch selbst wenn das gelingt, hat Berlin dann immer noch rund 1.000 Polizisten weniger als im Jahr 2001. Und das, obwohl die Hauptstadt inzwischen wieder mehr als 3,5 Millionen Einwohner hat. Wie es weitergeht, hängt nun von der neuen rot-grün-roten Koalition ab.

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